Er wird als „Gold des Waldes" bezeichnet oder – was ich besonders schön finde – als „die Tränen der Bäume": Weihrauch. Bei Weihrauch handelt es sich um ein Baumharz, das seit Jahrtausenden geschätzt wird – wegen seines betörenden Duftes, seiner vielfältigen Wirkung auf Körper und Geist und als Räucherstoff für Rituale, zeremonielle Reinigung und die Verbindung mit den Urkräften der Natur.
In diesem Blog erfährst du, was Weihrauch ist, woher er kommt und wofür er verwendet werden kann. Wir werfen auch einen Blick auf seine mystischen Geschichten und die besondere Verbindung zwischen Weihrauch und Kirche. Weihrauch ist viel mehr als nur ein Baumharz.
Was ist Weihrauch?
Weihrauch ist ein Baumharz – genauer gesagt das Sekret von Bäumen und Sträuchern, das nach einer Verletzung der Rinde austritt. Nicht jeder Baum bildet ein solches Harz. Es sind überwiegend die Balsambaumgewächse der Gattung Boswellia, die dieses aromatische Harz absondern. Weihrauch ist also ein luftgetrocknetes Gummiharz, das der Baum produziert, um seine Wunde zu verschließen und sich vor Krankheitserregern zu schützen. Übrigens: Auch der beim Verbrennen entstehende Rauch selbst wird als Weihrauch bezeichnet.
Die Bäume sind von langen Harzkanälen durchzogen, in denen ein klebriger, honigdicker Balsam sitzt – ein Gemisch aus ätherischen Ölen, Alkoholen, Phenolen, Säuren und weiteren Verbindungen. Nach einer Verletzung tritt dieser Balsam aus, verschließt die Wunde und desinfiziert sie zugleich. Mit der Zeit verdunsten die flüchtigen Bestandteile, und zurück bleibt das feste Harz. Ein Phänomen, das wir in gewisser Weise auch von der Wundheilung beim Menschen kennen.
Bei unseren heimischen Nadelgehölzen nennt man diesen Balsam Terpentin. Dabei ist nicht jedes Harz gleich – jeder Baum hat seine eigene Beschaffenheit und seinen ganz charakteristischen Duft. In südlicheren Regionen bezeichnet man das gewonnene Harz als Pech – und dieser Begriff gab einem eigenen Handwerk seinen Namen: dem Pecher. In Österreich, genauer im südlichen Niederösterreich, gibt es diesen Beruf noch heute. MAFUMO bezieht von dort das Harz der Schwarzföhre, auch Schwarzkiefer genannt. Familie Rendl aus Waidmannsfeld sind die letzten hauptberuflichen Pecher Österreichs – sie erhalten nicht nur das alte Handwerk, sondern auch das traditionelle Wissen über die Heilkraft des Harzes. Die Pecherei wurde 2011 von der Österreichischen UNESCO-Kommission in das nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen – ein Zeichen dafür, wie wertvoll und selten dieses jahrhundertealte Wissen geworden ist.
Baumharz und Musik – ein unterschätzter Zusammenhang
Wer an Baumharz denkt, denkt selten an Musik. Und doch wäre ohne Harz kein einziger Ton auf einer Geige, Bratsche, einem Cello oder Kontrabass möglich.
Das Geheimnis steckt im sogenannten Kolophonium – auch Geigenharz oder Bogenharz genannt. Es entsteht aus dem Harz von Nadelbäumen wie Kiefer, Fichte oder Tanne, indem das Terpentinöl durch Destillation entzogen wird und ein festes, sprödes Harz zurückbleibt. Dieses wird auf die Pferdehaare des Streichbogens aufgetragen. Erst dadurch entwickeln die glatten Haare die nötige Haftreibung, um die Saite in Schwingung zu versetzen – und damit Klang zu erzeugen. Ohne Kolophonium bleibt jedes Streichinstrument stumm.
Seinen Namen trägt es seit der Antike: benannt nach der Stadt Kolophon im heutigen Westen der Türkei, wo das Harz einst in großen Mengen gewonnen und gehandelt wurde.
Auch hier gilt, was wir vom Weihrauch kennen: Nicht jedes Harz ist gleich. Je nach Baumart, Herkunft und Verarbeitung entstehen unterschiedliche Härtegrade und Klangeigenschaften. Ein Geigenspieler braucht ein anderes Kolophonium als ein Kontrabassist – feiner, härter, weniger klebrig. Selbst kleine Unterschiede in der Zusammensetzung beeinflussen Klangfarbe, Ansprache und Spielgefühl spürbar.
Baumharz als Grundlage für Musik, Heilung und Räucherwerk – es steckt in so vielem, was uns berührt.
Herkunft & Anbaugebiete
Der Name Boswellia sacra beschreibt eine Pflanzenart, die zur Familie der Balsambaumgewächse (Burseraceae) gehört und überwiegend in Trockengebieten wie im Oman, Somalia und Jemen beheimatet ist.
Die Baumfamilie ist meist von kleiner Wuchsform, stark verzweigt und hat dicken Äste. Die Bäume erden ihre Blätter während der Trockenzeit ab. Die Wuchshöhe beträgt im Schnitt 4 bis 5 Meter. Seine Borke ist braun-grau und papierartig. Die Blätter sind unpaarig gefiedert mit jeweils ca. 15 Blättchen die ganzrandig, gekerbt oder gesägt sein können. Das vorderste Blatt ist dabei jeweils am größten. Die kleinen, sternförmigen Blüten erscheinen im April in lockeren Büscheln an den Zweigenden – weißlich bis zart-rosa, mit gelblich-rotem Diskus in der Mitte. Daraus entwickeln sich kleine, mehrkantige Kapselfrüchte mit feinen Griffelresten.
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Bildquelle: Köhler’s Medizinal-Pflanzen von 1887
Namensgebung von Weihrauch
Der Begriff „Weihrauch" ist älter als er klingt. Etymologisch geht er auf wi(h)rouch oder wi(h)rouh zurück – aus dem Althochdeutschen für „geheiligter" oder „geweihter Rauch", abgeleitet vom Verb wīhen (heiligen, weihen). Altertümlich findet sich auch die Schreibweise Weyrauch. Der Name beschreibt also weniger eine Pflanze als einen Zweck: heiliges Räucherwerk.
Ein zweiter geläufiger Name ist Olibanum. Die Wurzel geht auf das altsüdarabische liban bzw. libanot zurück, mit der semitischen Wurzel lbn – was "weiß sein" bedeutet. Als Olibanum wurde insbesondere das vom Bast der Boswellia-Arten gepflückte, noch saubere Harz bezeichnet – im Gegensatz zu dem von der Erde aufgelesenen, verunreinigten. Es geht also nicht allein um die helle Farbe, sondern um Reinheit und Qualität.
Interessant ist auch die Herkunft des englischen Begriffs: Frankincense ist keine englische Erfindung, sondern leitet sich vom altfranzösischen franc encens ab – was "edler Rauch" oder "hochwertiger Räucherstoff" bedeutet.
Und noch ein Name der oft übersehen wird: Der botanische Gattungsname Boswellia geht auf den Botaniker Boswell zurück. Gemeint ist Johann Boswell aus Edinburgh, der im frühen 18. Jahrhundert eine Abhandlung über Ambra veröffentlichte.
Gewinnung von Weihrauch
Weihrauch wird geerntet, indem die Rinde des Baumes an mehreren Stellen angeritzt wird – je nach Größe und Alter des Baumes an 10 bis 30 Stellen an Stamm und größeren Ästen. Aus diesen Wunden tritt ein milchig-weißer, zähflüssiger Saft aus, der an der Luft langsam eintrocknet und erstarrt – die sogenannten Tränen.
Die ersten beiden Ernteläufe liefern dabei minderwertiges, unreines Harz und werden in der Regel verworfen. Erst mit den folgenden Ernten steigt die Qualität deutlich an – das Harz wird klarer, aromatischer und hochwertiger. Die Erntesaison beginnt meist Ende März oder Anfang April und erstreckt sich über die heißen Sommermonate, in denen der Baum am meisten Harz produziert. Zur Monsunzeit ruht die Ernte. Je nach Baumalter und -größe kann ein einzelner Baum bis zu 10 kg Harz pro Jahr liefern.
Gute Erntepraxis bedeutet jedoch Geduld: Nach maximal drei Ernten werden die Bäume mehrere Jahre geschont, damit sie sich erholen können – ein traditionelles Rotationssystem, das die Qualität langfristig sichert und die Bestände schützt. Das Baumalter spielt dabei eine entscheidende Rolle: Ältere Bäume liefern in der Regel aromatischeres, hochwertigeres Harz.
Das geerntete Harz wird an der Luft getrocknet – je nach Temperatur und Sorte über mehrere Tage bis Wochen. Nur gereiftes, abgelagertes Harz entfaltet schließlich seine unverwechselbaren Nuancen an Aroma und Duft, die hochwertigen Weihrauch so besonders machen.
Unterschied zu Harz, Latex und Gummen
Baumharz klingt simpel – aber nicht jede klebrige Substanz, die aus einem Baum austritt, ist dasselbe. Drei Begriffe tauchen im Zusammenhang mit Pflanzenharzen immer wieder auf und werden oft verwechselt: Harz, Latex und Gummen.
Harz / Balsamharz wird nur von bestimmten Pflanzenfamilien produziert – meist als Schutzreaktion auf Verletzung (gegen Pilze, Insekten, Austrocknung) oder konstant aus speziellen Harzkanälen. Die wichtigsten Balsamharz-Lieferanten:
- Boswellia (Weihrauch) – Burseraceae
- Commiphora (Myrrhe) – Burseraceae
- Pinus / Picea (Kiefer, Fichte) – Koniferenharz / Terpentin
- Styrax – Storax
- Liquidambar – amerikanischer Storax
Die meisten heimischen Laubbäume wie Eiche, Buche oder Ahorn produzieren dagegen kein aromatisches Balsamharz – höchstens wässrige Säfte als Wundverschluss.
Latex ist Naturkautschuk – der gummiartige Milchsaft des Kautschukbaums Hevea brasiliensis, der ursprünglich aus Südamerika stammt. Brasilien hielt über Jahrzehnte das Weltmonopol auf diesen begehrten Rohstoff und verbot den Export von Samen streng. 1876 gelang es dem englischen Abenteurer Sir Henry Wickham dennoch, 70.000 Samen als "akademische Proben" getarnt aus Brasilien zu schmuggeln und in die Kew Gardens nach London zu bringen. Von dort wurden Setzlinge nach Singapur und Ceylon verschifft – der Grundstock für die gesamte Kautschukkultur Südostasiens. In Brasilien gilt Wickham bis heute als Biopirat; in England wurde er dafür geadelt. Aus dem Latex des Kautschukbaums entstehen Einweghandschuhe, Kondome, Dichtungen und unzählige weitere Produkte der Pharma- und Kautschukindustrie.
Gummen (Mehrzahl von Gummi) bezeichnet den Pflanzensaft, der aus verletzten Stellen eines Baumes austritt und der Wundabdichtung sowie dem Schutz vor Krankheitserregern dient. Wir kennen dieses Phänomen vom Gummibaum (Ficus elastica) – wer in seiner Kindheit ein Blatt abgebrochen hat, kennt das sofort austretende, weißlich-klebrige Sekret. Anders als Balsamharze sind Gummen wasserbasiert und nicht aromatisch – im Räucher-Sinne daher ohne Bedeutung.

Hevea brasiliensis in Thailand – der diagonale Einschnitt in die Rinde leitet den weißen Milchsaft (Latex) in die Fangschale. Fotografiert von Andreas Mittmann | 2024 in Kao Lak
Inhaltsstoffe von Weihrauch
Weihrauch ist ein komplexes Vielstoffgemisch – über 200 verschiedene Substanzen wurden bisher in den Harzen der Boswellia-Arten nachgewiesen, je nach Sorte, Standort und Erntezeitpunkt unterschiedlich zusammengesetzt. Grob lässt sich das Harz in vier Hauptbestandteile aufteilen:
- Harzsubstanz (ca. 50–65 %) – enthält die Boswelliasäuren als wichtigste Wirkstoffgruppe, pentazyklische Triterpensäuren, die ausschließlich in Weihrauch vorkommen
- Schleimstoffe (ca. 15–20 %) – Polysaccharide wie D-Galactose und D-Arabinose
- Ätherisches Öl (ca. 5–9 %) – enthält Monoterpene wie α-Pinen, α-Thujen sowie Incensol und Incensolacetat
- Neutralbestandteile (ca. 30 %) – Terpene, Gerbstoffe und weitere Verbindungen
Der unverwechselbare Duft des Weihrauchs stammt dabei nicht von den Boswelliasäuren – diese sind nicht flüchtig und damit geruchlich nicht wahrnehmbar – sondern aus dem ätherischen Öl. Incensol und α-Pinen sind es, die beim Räuchern jene warme, balsamische, leicht harzige Note erzeugen, die wir so gut kennen. Die Boswelliasäuren hingegen sind die medizinisch hochrelevante Wirkstoffgruppe – ein Thema, dem wir im nächsten Abschnitt einen eigenen Blick widmen.
Weihrauch & Gesundheit
Weihrauch wird seit Jahrtausenden nicht nur als Räucherstoff und Ritualmittel genutzt, sondern auch als Heilmittel geschätzt – von der Antike über das Mittelalter bis in die heutige Naturheilkunde.
Bereits die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098–1179) kannte die Kraft des Weihrauchs und setzte ihn in ihrer Klostermedizin traditionell bei Ohrenleiden wie Schwerhörigkeit und Tinnitus ein. Sie legte dabei besonderen Wert auf helle, weiße Weihrauchkörner und empfahl, den Rauch gezielt in den Gehörgang zu leiten – eine Methode, die eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit den heutigen Ohrenkerzen aufweist. Auch Sebastian Kneipp (1821–1897) empfahl Weihrauch bei bestimmten Beschwerden – vermutlich unabhängig von Hildegard, aber aus derselben jahrhundertealten deutschen Erfahrungstradition heraus.
In der modernen Forschung stehen vor allem die Boswelliasäuren im Fokus, die als Wirkstoffgruppe spezifisch für Boswellia-Harze sind. Wissenschaftler der Universität Jena konnten zeigen, dass sie die Bildung bestimmter entzündungsfördernder Botenstoffe hemmen können – ein Bereich, der weiter intensiv erforscht wird.
Für den Räucherbereich gilt: Weihrauch wird traditionell verwendet, um die Atmosphäre zu klären, die Sinne zu beruhigen und innere Sammlung zu fördern. Viele Menschen erleben seinen Duft als erdend und meditationsfördernd – eine Wirkung, die Hildegard von Bingen bereits treffend beschrieb, als sie von der besonderen Kraft der Mischung aus Aromen und psychoaktiven Stoffen im Weihrauch sprach.
Weihrauch als Kaugummi
Was viele nicht wissen: Weihrauch wird in seinen Herkunftsländern seit Jahrtausenden nicht nur verräuchert, sondern auch gekaut. Im Oman, Jemen, Somalia und Äthiopien ist das Kauen von Weihrauchharz bis heute tägliche Tradition – zur Beduftung des Atems, zur Pflege der Mundschleimhäute und als allgemeines Wohlbefindlichkeitsmittel.
Besonders geeignet zum Kauen sind Boswellia frereana (Maydi, aus Somalia/Nordostafrika) sowie Boswellia papyrifera (Luban, aus Äthiopien) – beide werden weicher als andere Sorten und formen beim Kauen eine elastische, homogene Masse, anstatt zu zerbröseln. Auch Al-Hojari aus dem Oman wird im Orient traditionell zum Kauen und als Sud verwendet.
Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig – wer an Spearmint-Kaugummi denkt, wird überrascht sein: Weihrauch schmeckt anfangs herb-bitter, entwickelt sich dann aber zu einem warmen, balsamisch-aromatischen Geschmack mit einer leichten Zitrusnote. Hochwertige Sorten verströmen dabei ein angenehm frisches Aroma.
Worauf beim Kauf achten: Kau-Weihrauch sollte ausschließlich in Lebensmittelqualität und idealerweise laborgeprüft auf Pestizide und Schwermetalle gekauft werden – nicht jedes Räucherharz ist für den oralen Gebrauch geeignet. Wer mag, kann das Harz auch in heißem Wasser oder Tee auflösen – der entstehende Sud gibt dem Getränk eine warme, balsamische Note und enthält dabei die wertvollen Inhaltsstoffe des Harzes.
Harzsalben als Heilmittel
Die heilende Kraft von Baumharzen ist in vielen Kulturen seit Jahrtausenden bekannt – ob in der europäischen Volksmedizin, im Ayurveda, der Traditionellen Chinesischen Medizin oder der tibetischen Heilkunde. Was dem Baum hilft, nutzt auch dem Menschen: Genauso wie das Harz die Wunde des Baumes verschließt und ihn vor Bakterien, Pilzen und Viren schützt, soll es in Salbenform auch auf der menschlichen Haut wirken.
Aus dem Harz heimischer Nadelbäume – vor allem Fichte und Kiefer – werden traditionell Harzsalben hergestellt, die volkstümlich auch Pechsalben genannt werden. Ihnen werden in der Naturheilkunde antiseptische, antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften zugesprochen, ebenso eine durchblutungsfördernde und wundheilende Wirkung. Zur äußerlichen Anwendung bei Schürfwunden, Hautirritationen oder beanspruchten Muskeln und Gelenken werden sie seit Generationen geschätzt. Durch die Zugabe von Kräutern oder ätherischen Ölen lässt sich die Wirkung solcher Salben noch ergänzen und individuell abstimmen. Pechsalben kann man übrigens auch selbst herstellen – mit nur wenigen Zutaten aus der Natur.
Das Gummiharz des Weihrauchs trägt in der Pharmazie den Namen Olibanum oder Gummi Olibanum. Pharmazeutisch erfasst ist heute lediglich der indische Weihrauch der Stammpflanze Boswellia serrata (Olibanum indicum). Zugelassene Fertigarzneimittel gibt es in den EU-Ländern keine – was die jahrtausendealte Tradition seiner Anwendung in keiner Weise schmälert.
Erzengel und Weihrauch
Was haben Erzengel und Weihrauch gemeinsam? Auf den ersten Blick vielleicht wenig – auf den zweiten Blick sehr viel. Erzengel sind in den großen Weltreligionen – Judentum, Christentum und Islam – als besondere Boten und Beschützer bekannt. Ihr Name setzt sich aus dem griechischen arch (= führend, oberst) und angelos (= Bote) zusammen. Sie stehen in der Engelshierarchie über den gewöhnlichen Engeln und erfüllen besondere göttliche Aufgaben. Fast alle ihre Namen enden auf -el – das semitische Wort für Gott.
Die bekanntesten vier Erzengel sind Michael, Gabriel, Raphael und Uriel – jeder mit einer eigenen Energie, Farbe und Aufgabe:
Michael – "Wer ist wie Gott?" – der Krieger und Beschützer. Er kämpft gegen das Böse, vertreibt Ängste und steht denjenigen bei, die in Bedrängnis geraten. Seine Farbe: leuchtendes Blau. Für ihn: kraftvoller, schützender Weihrauch – Harzweihrauch auf Kohle, stark und klar.
Gabriel – "Kraft Gottes" – der Bote und Verkünder. Er überbrachte Maria die Botschaft der Geburt Jesu. Er steht für Reinheit, Klarheit, Kommunikation und neue Inspiration. Seine Farbe: reines Weiß. Für ihn: heller, klarer Weihrauch – Hojari oder feiner Kirchenweihrauch auf dem Stövchen.
Raphael – "Medizin Gottes" – der Heiler von Körper, Seele und Geist. Er begleitete Tobias auf seiner gefährlichen Reise und heilte dessen Vater von Blindheit. Er steht für Regeneration, Heilung und tröstende Wärme. Seine Farbe: Smaragdgrün. Für ihn: balsamischer, warmer Weihrauch – ein sanfter Honigduft, umhüllend und heilsam.
Uriel – "Feuer Gottes" – der Weisheitsträger. Er erscheint als Blitz der Erkenntnis, erhellt dunkle Momente und vermittelt göttliche Einsicht. Er warnte Noah vor der Sintflut und führte das Volk Israel als Feuersäule durch die Wüste. Seine Farbe: Gold und Gelb. Für ihn: würziger, tiefer Weihrauch – kräftig und erhebend.
Die Verbindung zwischen Erzengeln und Weihrauch ist keine neue Idee. Schon im Alten Testament steigt der Weihrauchrauch als Gebet zum Himmel auf – als Brücke zwischen Mensch und dem Göttlichen. In den Klöstern des Berg Athos trägt jede Weihrauchmischung traditionell einen Engelnamen. Der aufsteigende Rauch gilt als Einladung an die himmlischen Wesen – als Zeichen der Offenheit, der Ehrerbietung und der Verbindung.
Wenn du also das nächste Mal Weihrauch verräucherst, weißt du: Du öffnest nicht nur einen Raum – du öffnest vielleicht auch eine Tür. Weihrauch MAFUMO
Sorten, Duftprofile & Herkunft
Hier geben wir einen Überblick über die gängigsten Harze im Markt – mit Herkunft, Duftprofil und volksmedizinischer Bedeutung.
Weihrauch – Olibanum
Familie: Burseraceae (Balsambaumgewächse) | Vorkommen: Arabische Halbinsel (Oman, Jemen) und Afrika (Äthiopien, Eritrea, Somalia, Sudan) sowie Indien
Schon viele Kulturen vor uns – Ägypter, Araber, Hebräer und Griechen – würdigten das wohlriechende Harz als Räucherwerk in sakralen Ritualen und Zeremonien. Der Duft galt als Schlüssel zur Göttlichkeit oder zum höheren Selbst. Hier ist "Weihrauch" eine Standesbezeichnung, die viele Sorten unter einem Begriff vereint.
Boswellia sacra – Arabisches Olibanum
Herkunft: Oman und Jemen | Duftprofil: balsamisch · zitrusartig · edel
Bekanntester Vertreter ist der Grüne Hojari aus der gleichnamigen Region im Oman – einer der weltweit begehrtesten und hochwertigsten Weihrauchsorten. Seine charakteristische grüne Farbe verdankt er dem Chlorophyll (Pflanzensaft), der beim Anritzen mit austritt. Diese Farbe verblasst mit der Zeit – Aroma und Wirkung bleiben jedoch vollständig erhalten. Der Duft ist außergewöhnlich fein, klar und zitrusartig frisch – Kenner sprechen vom "Duft des Himmels".
Boswellia carterii – Somalischer Weihrauch
Herkunft: Somalia | Duftprofil: hell · zitrusartig · balsamisch · leicht erdig
Boswellia carterii ist der Weihrauch Somalias – in seiner Heimat so alltäglich und kultisch bedeutsam wie der Hojari im Oman. Er ist eng mit Boswellia sacra verwandt, unterscheidet sich aber im Aroma: klarer, etwas bodenständiger, mit intensiver Zitruskopfnote und balsamisch-erdigen Untertönen. Somalia gilt neben Äthiopien als das Weihrauchland schlechthin – mit mehr Boswellia-Arten als jedes andere Land der Erde. Volksmedizinisch wird das Harz traditionell als Kaumittel und Weihrauchwasser bei Entzündungen und Verdauungsbeschwerden eingesetzt.
Boswellia papyrifera – Afrikanischer Weihrauch
Herkunft: Äthiopien, Eritrea, Sudan | Duftprofil: würzig · balsamisch · leicht zitrusartig · Grapefruit-/Orangennote
Der mengenmäßig am häufigsten geerntete Weihrauch der Welt – bis zu 10.000 Tonnen jährlich aus Äthiopien, Eritrea und Sudan, davon landet rund ein Viertel in den Kirchen weltweit. Er ist der klassische Kirchenweihrauch. Sein Duft ist würzig-balsamisch mit einer deutlichen Citrus-Note – aromatisch und zugänglich, ohne die Feinheit des Hojari. Besonderes Merkmal: ein ungewöhnlich hoher Anteil an Incensol-Acetat, dem Stoff, der laut Studien stimmungsaufhellend und harmonisierend wirken soll. Hier zum Boswellia papyrifera.
Boswellia serrata – Indisches Olibanum
Herkunft: Indien (Rajasthan, Madhya Pradesh, Gujarat u.a.) | Duftprofil: würzig · harzig · erdig · leicht bitter · waldige Note
Der indische Weihrauch ist die pharmazeutisch am besten erforschte Sorte – einzig er darf in Deutschland zu pharmazeutischen Zwecken eingesetzt werden. Sein Duft ist kräftiger und rauer als seine arabischen und afrikanischen Verwandten, mit einer dunklen, harzig-würzigen Grundnote. In der ayurvedischen Medizin – wo er als Salai Guggal bekannt ist – wird er seit über 5.000 Jahren traditionell bei Entzündungen, Gelenk- und Darmbeschwerden eingesetzt.
Myrrhenharz
Familie: Burseraceae (Balsambaumgewächse) | Commiphora myrrha | Vorkommen: Somalia, Äthiopien, Djibouti, Kenia, Jemen, Oman
Myrrhe ist die botanische Schwester des Weihrauchs – beide entstammen der Familie der Burseraceae, beide werden seit Jahrtausenden in sakralen Ritualen eingesetzt. Während Weihrauch als das "männliche" Harz gilt – öffnend, erhebend, spirituell – wird Myrrhe der weiblichen Kraft zugeordnet: erdend, schützend, zentrierend. Sie begleitet Loslassrituale, Trauerarbeit und Übergänge. Auch sie war eines der Geschenke der Heiligen Drei Könige an das Jesuskind – Symbol für Leiden und Menschlichkeit.
Ihr Name leitet sich vom arabischen murr ab – was "bitter" bedeutet. Der Duft ist tief, balsamisch-warm und tatsächlich herb-bitter, mit einer dunklen, erdigen Tiefe. Volksmedizinisch wird Myrrhe traditionell bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhäute eingesetzt – eine der wenigen traditionellen Anwendungen, für die es eine ESCOP-Monographie gibt. Beim Räuchern klebt das Harz stark – am besten auf Sand oder mit einem separaten Räuchergefäß.
Eine ganz besondere Rarität führt MAFUMO aus der Insel Sokotra – dem "Galápagos des Indischen Ozeans" – direkt aus dem Jemen: die Sokotra-Myrrhe. Die Insel gilt als einer der artenreichsten und ursprünglichsten Orte der Erde, weitgehend unberührt von industrieller Landwirtschaft. Die dort gewonnene Myrrhe ist von außergewöhnlicher Qualität – intensiver, harzreicher und aromatisch komplexer als handelsübliche Sorten. Ein direkter Bezugsweg, der Transparenz und Qualität sichert – vom Baum bis in den Glastiegel. Erhältlich auch als pureYemen Räucherstäbchen – handgerollt, naturrein, mit dem unverwechselbaren Charakter der sokotrischen Myrrhe.
Salharz – Tibetischer Weihrauch
Familie: Dipterocarpaceae (Flügelfruchtgewächse) | Shorea robusta | Vorkommen: Nepal, Nordindien, Bangladesch
Salharz ist botanisch kein echter Weihrauch – aber kulturell einer der bedeutendsten Räucherstoffe des Himalayaraums. Der Sal-Baum spielt in der buddhistischen und hinduistischen Mythologie eine herausragende Rolle: Der Überlieferung nach wurde Siddhartha Gautama, der spätere Buddha, unter einem Sal-Baum geboren – und starb auch unter einem. Das weißliche, opaleszierende Harz ist das wichtigste Räucherharz der tibetischen Schamanen: zur Vertreibung von Krankheiten und Geistern, zur seelischen Reinigung und als Begleiter für Reisen ins innere Bewusstsein.
Duftprofil: harzig-holzig · würzig-warm · leicht erdig – mit Noten von trockenem Lehm, Orient-Würze und altem Holz. Ganz anders als Weihrauch, aber auf seine eigene Art tief und erhebend. Hier direkt zum Sal-Harz aus Tibet.
Guggul – Indische Myrrhe
Familie: Burseraceae | Commiphora wightii / mukul | Synonyme: Gugulu, Bdellium, süße Myrrhe | Vorkommen: Indien, Pakistan, Nepal
Guggul ist die "süße Schwester" der echten Myrrhe – eng verwandt, aber mit einem völlig anderen Charakter. Sein Name stammt aus dem Sanskrit und bedeutet wörtlich "das Mittel, welches vor Krankheiten bewahrt." Im Ayurveda ist er seit über 3.000 Jahren fester Bestandteil der Heilpraxis. Volksmedizinisch gilt er als "Geisterschreck" – der dichte, duftintensive Rauch soll schwere Energien und Geister vertreiben.
Duftprofil: süß · vanillig · balsamisch-warm – deutlich milder und runder als echte Myrrhe. Im Räuchern erinnert er an Tonka und Vanille, mit einem warm-würzigen orientalischen Grundton. Eine der angenehm-zugänglichsten Harzsorten überhaupt, ideal auch für Einsteiger und als Basis für Mischungen. LINK
Weihrauch aus Griechenland – Berg Athos
Nicht zu vernachlässigen ist der Weihrauch aus Griechenland. Auf dem Heiligen Berg Athos – einer orthodox-christlichen Mönchsrepublik mit autonomem Status in Nordgriechenland – wird seit Jahrhunderten eine ganz eigene Weihrauchtradition gepflegt. Mönche stellen dort in Handarbeit Weihrauchmischungen nach alten byzantinischen Rezepten her, die zu den feinsten ihrer Art gehören.
Basis ist stets ein Olibanum aus Äthiopien oder Eritrea, das gemahlen, mit ätherischen Ölen verknetet, ausgerollt, in Stücke geschnitten und schließlich mit Magnesiumpulver (als Trennmittel) bestäubt wird. Das Ergebnis ist kein reines Baumharz mehr, sondern eine sorgfältig komponierte Mischung – daher auch die charakteristisch weiche, gepresste Form.
Klassische Sorten: Rosenweihrauch (der Klassiker, blumig-zart), Byzantinischer Weihrauch (warm, würzig, tief), Honig, Lemon, Akazie – jede Variante mit ihrem unverwechselbaren Duftcharakter. Ursprünglich wurde ausschließlich natürliches Rosenöl verwendet; heute werden meist hochwertige naturidentische Duftstoffe eingesetzt, da reines Rosenöl unbezahlbar wäre.
Weihrauch – Raritäten & Geheimtipps
Wer tiefer in die Welt des Weihrauchs eintaucht, stößt irgendwann auf Sorten, die im normalen Handel kaum zu finden sind – keine Exoten im eigentlichen Sinne, aber besondere Charakterköpfe, die ihren bekannteren Verwandten in nichts nachstehen.
Boswellia dalzielii – Nigerianischer Weihrauch
Herkunft: Nigeria, Westafrika | Duftprofil: zitrisch · fruchtig · blumig · harzig-warm · Orangenschale
In Afrika weitverbreitet, aber in Europa so gut wie unbekannt – Boswellia dalzielii ist einer der großen Geheimtipps der Weihrauch-Welt. Optisch erinnert er an somalischen oder omanischen Weihrauch, hat aber ein völlig eigenständiges Aromaprofil: zitrisch wie der Somalier, mit der sanften Süße des Omaners – dazu fruchtig, blumig und mit einer warm-harzigen Tiefe wie getrocknete Orangenschalen in der Sonne. Wer sich tiefer einlässt, entdeckt Mandarine, rauchige Untertöne und sonnengetrocknete Blüten. Ein Duft, der sowohl zugänglich als auch komplex ist – und der sich locker neben den großen Drei behauptet.
Shaabi – Weihrauch aus der Küste des Oman
Herkunft: Küstenregion des Oman | Botanisch: Boswellia sacra | Duftprofil: klar · hell · Eukalyptus · Pfeffer · salzig-rauchig · herb
Derselbe Baum, eine andere Welt. Während der klassische Hojari tief in den Bergen des Dhofar-Gebirges wächst, stehen die Bäume des Shaabi nahe an der Küste – dem salzigen, trockenen Wind ausgesetzt, in wildem und unwegsamem Gelände. Diese anderen Bedingungen, kombiniert mit einem früheren Erntezeitpunkt, ergeben ein ganz eigenes Duftprofil: klar und transparent, mit warmen Eukalyptus-Aromen, Pfeffer und einer herb-bitteren Note – intensiv, tief und satt, mit feinen salzigen und rauchigen Untertönen.
Im Oman wird Shaabi nicht als Spitzensorte gehandelt – er gehört nicht zur Hojari-Klasse. Aber er hat seinen ganz eigenen Charme, ist deutlich günstiger als Grüner Hojari und bietet eine weitere Facette omanischen Weihrauchs, die es lohnt zu kennen. Für Weihrauch-Neugierige eine schöne Ergänzung – für Kenner ein stiller Favorit. Zu den Raritäten
Weihrauch-Qualitätsstufen
Nicht jeder Weihrauch ist gleich – und das beginnt bereits bei der Ernte. Wer hochwertigen Weihrauch kaufen möchte, sollte wissen, wonach man schaut. Vier Kriterien entscheiden über die Qualität:
1. Erntezeitpunkt und Erntestufe
Mit jedem weiteren Erntedurchgang wird das Harz reiner und aromatischer. Die ersten beiden Ernten liefern noch unreines, minderwertiges Harz und werden in der Regel verworfen. Erst ab dem dritten Schnitt steigt die Qualität deutlich an. Die besten Qualitäten entstehen gegen Ende der Erntesaison – nach drei bis vier Monaten – wenn das Harz am reinsten und aromatischsten ist. Das bedeutet: Die hochwertigsten Chargen kommen meist erst spät im Jahr in den europäischen Handel.
2. Größe der Harztropfen (Tränen)
Im Handel wird Weihrauch nach Größe der Harzstücke gradiert – grob in fünf Stufen:
- Grad 1 / Tränen – helle Harzstücke über 6 mm, ohne Rinde oder Pulver, handverlesen. Höchste Qualität.
- Grad 1B – größere, teils etwas dunklere Stücke, ebenfalls rein
- Grad 2 / Pea-Size – Erbsengröße, 4–6 mm, beliebte Räucherqualität
- Grad 3 / Grieß oder Granen – sehr kleine Stücke, 2–5 mm
- Grad 4–5 – dunklere Stücke mit Rindenresten, niedrigste Handelsstufe
Grundsätzlich gilt: je größer die Stücke, desto höher die Handelsstufe – und desto teurer. Ein Weihrauchexperte vom Dhofar brachte es beim Sortieren treffend auf den Punkt: "Sie sehen halt schön aus!" – Duft und Wirkung sind bei gut sortierten kleinen Stücken nicht schlechter.
3. Farbe
Die verbreitete Annahme, dass hellerer Weihrauch automatisch besser ist, ist ein Mythos aus alter Zeit. Die Farbe hängt in erster Linie von der Boswellia-Art und dem Erntezeitpunkt ab – nicht von der Qualität. Beim Hojari aus dem Oman beispielsweise sind die grünlichen Tränen der späten Ernte tatsächlich die hochwertigsten. Andere Sorten wie Boswellia neglecta oder rivae sondern naturgemäß dunkles, bräunlich-schwarzes Harz ab – ohne dass das ihre Qualität mindert.
4. Reinheit und Gehalt an ätherischen Ölen
Hochwertiger Weihrauch ist frei von Plastikteilen, Schmutz und Holzstücken – das Aussortieren erfolgt in der Regel von Hand. Je höher der Anteil an ätherischen Ölen, desto intensiver und nuancenreicher der Duft. Auch das Wetter des jeweiligen Erntejahres beeinflusst den Ölgehalt – was bedeutet: selbst bei gleichbleibender Sorte und Qualitätsstufe kann der Duft von Jahr zu Jahr leicht variieren.
Und der Preis?
Ein guter Richtwert: Ist Weihrauch auffällig günstig, ist Skepsis angebracht. Echter, naturreiner Weihrauch hat seinen Preis – und dieser spiegelt den Aufwand von Ernte, Sortierung und fairem Handel wider.
Grüner Hojari – der Beste aus dem Oman
Und zugleich einer der teuersten Weihrauchsorten der Welt.
Der Al-Hojari – auch Royal Hojari genannt – ist Boswellia sacra aus der Region Dhofar im Süden Omans, geerntet in einem eng begrenzten Gebiet in den Steilhängen des Dhofar-Gebirges. Er gilt unter Kennern als der hochwertigste Weihrauch überhaupt. Sein Duft ist außergewöhnlich klar, fein und intensiv – balsamisch-zitrusartig mit einer leichten Minznote, ganz anders als der schwere Kirchenweihrauch den viele kennen. Wer ihn zum ersten Mal riecht, versteht sofort warum er "Duft des Himmels" genannt wird.
Die grüne Farbe – ein Naturphänomen
Das Besondere am Grünen Hojari ist seine Farbe: ein schimmerndes Grün, das von dunkelgrün über türkis bis ins Bläuliche reichen kann. Diese Färbung entsteht durch Chlorophyll aus dem Pflanzensaft, der beim Anritzen mit austritt. Sie tritt nur zwischen September und Dezember auf – zum Ende der Erntesaison, wenn das Harz am reinsten und aromatischsten ist. Mit der Zeit verblasst die Farbe. Aroma und Wirkung bleiben jedoch vollständig erhalten – die Farbe ist kein Qualitätsmerkmal an sich, sondern ein Hinweis auf Frische und Erntezeitpunkt.
Selbst an ein und demselben Baum entstehen unterschiedliche Qualitäten – abhängig von Mikroklima, Alter des Baumes, Standort im Wadi (arabisch: Trockenflussbett – die Täler und Schluchten des Dhofar-Gebirges), Sonneneinstrahlung und Luftzug. Das macht jeden Jahrgang einzigartig.
Selten und streng reglementiert
Die Ausfuhr des Royal Hojari aus dem Oman ist mengenmäßig stark reglementiert. Nur 3–5 % der gesamten omanischen Weihrauch-Ernte erreichen diese Qualitätsstufe. Der Oman hat seinen Weihrauch als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt und schützt die Bestände konsequent – alle Sorten, alle Bäume, seit über dreitausend Jahren Tradition. Die Bauern arbeiten nachhaltig, denn der Weihrauch ist ihre Lebensgrundlage, ihre Kultur, ihr Erbe.
Das hohe weltweite Interesse trifft auf eine sehr begrenzte Verfügbarkeit – was den Preis erklärt und den Grünen Hojari zu einem echten Luxusgut macht, das gerne von Sultanshöfen und Königshäusern aufgekauft wird.
Einen kurzen Hinweis zu "Sultans Weihrauch":
Im Handel kursiert gelegentlich die Geschichte, es gebe ein geheimes Sultans-Lager mit besonders blauem Al-Hojari, das nur zertifizierten Händlern zugänglich sei. Kenner aus dem Oman selbst halten das eher für eine Marketinggeschichte – blauer Hojari existiert, ist aber nicht exklusiv reserviert.
MAFUMO Hojari– unser Grüner Hojari aus dem Oman, handverlesen, naturrein.
Welcher ist besser – Weihrauch aus dem Oman oder Jemen?
Beide Länder produzieren denselben botanischen Weihrauch – Boswellia sacra – denn auf der gesamten arabischen Halbinsel wächst nur diese eine Weihrauchart. Die Frage ist also nicht eine botanische, sondern eine des Klimas, der Lage und der Qualitätskontrolle.
Die klare Antwort: Oman.
Der omanische Weihrauch aus dem Dhofar-Gebirge gilt weltweit als der hochwertigste – feiner im Duft, reicher an ätherischen Ölen, klarer im Aroma. Das liegt am einzigartigen Mikroklima der Dhofar-Region: Das Gebirge, der Monsun Khareef, die Meeresnähe und die extreme Höhenvielfalt (von der Küste bis fast 2.000 Meter) schaffen Bedingungen, die so kein anderes Anbaugebiet bieten kann.
Der jemenitische Weihrauch ist zwar botanisch identisch, aber klimatisch und qualitativ eine Stufe darunter. Im Handel taucht er gelegentlich als optisch überzeugender, grüner Weihrauch auf – was Vorsicht geboten macht: Wer echten Al-Hojari sucht, sollte auf den Duft vertrauen, nicht auf die Farbe.
Ein politischer Weihrauchkrieg
Was viele nicht wissen: Zwischen dem Oman und Somalia schwelt seit Jahren ein inoffizieller "Weihrauchkrieg" – der Import von somalischem Weihrauch in den Oman ist offiziell verboten. Die Omanis betrachten ihren Weihrauch als kulturelles Erbe und sehen somalischen Weihrauch als unrein an – auch wenn er auf dem Souq trotzdem landet, oft beigemischt unter omanische Qualitäten. Denn: Der intensive Duft des omanischen Weihrauchs überdeckt andere Sorten so stark, dass die Beimischung kaum zu riechen ist.
Was bedeutet das beim Kauf?
Auf dem Weltmarkt wird deutlich mehr Weihrauch als "omanisch" verkauft, als die begrenzte omanische Ernte überhaupt hergibt. Wer sichergehen will, kauft bei vertrauenswürdigen Händlern mit direktem Oman-Bezug – und vertraut der Nase mehr als der Farbe.
MAFUMO bezieht seinen Oman-Weihrauch direkt aus der Dhofar-Region – handverlesen, naturrein, sortenecht.
Räuchern mit Weihrauch
Weihrauch räuchert man anders als Kräuter oder Räucherstäbchen – er ist ein Harz, das Hitze braucht, aber keinen direkten Kontakt mit der Flamme. Wer das einmal verstanden hat, wird nie mehr auf den Duft verzichten wollen.
Für die Räucherung mit Weihrauch brauchst du:
- Ein feuerfestes Gefäß (Räucherschale, Specksteinschale, Mörserinhalt als Unterlage)
- Räuchersand als Hitzepuffer
- Räucherkohle oder ein Stövchen mit Sieb
- Eine Zange oder Pinzette
- Das Weihrauchharz deiner Wahl
Gib etwas Räuchersand in die Schale, entzünde die Kohle und lasse sie vollständig durchglühen – erkennbar an der grau-weißen Ascheschicht. Erst dann das Harz in kleinen Mengen auflegen. Nicht zu viel auf einmal, sonst verbrennt der Weihrauch statt zu duften.
Weihrauch räuchern auf Kohle oder Sieb?
Beides funktioniert – aber für unterschiedliche Zwecke und Stimmungen.
Räucherkohle erzeugt mit ca. 400°C sehr viel Hitze und damit intensiven Rauch. Das ist die älteste und kraftvollste Methode – ideal für energetische Raumreinigung, Rituale und Zeremonien, bei denen starker Rauch erwünscht ist. Der Rauch trägt die Wirkstoffe weit durch den Raum. Nachteil: kann Rauchmelder auslösen, und billiges Harz verbrennt statt zu duften.
Stövchen mit Sieb arbeitet bei ca. 120–140°C – deutlich sanfter. Das Harz verdampft langsam, ohne zu verbrennen, und gibt seine ätherischen Öle fein und anhaltend ab. Kaum Rauch, kein Rauchmelder, und der Duft ist oft nuancenreicher als auf der Kohle. Besonders für hochwertige Sorten wie den Grünen Hojari ist das Stövchen die bessere Wahl – auf Kohle würden die feinen Zitrusnoten schnell verbrennen.
Faustregel:
- Alltagsräucherung, Duftgenuss, Meditation → Stövchen
- Raumreinigung, Rituale, Zeremonien → Kohle
Tipp: Harze für das Stövchen vorher im Mörser leicht zerkleinern – so verflüchtigen sich die ätherischen Öle gleichmäßiger und der Duft entfaltet sich vollständiger.
Mein Weihrauch riecht nicht beim Räuchern – warum?
Das ist eine der häufigsten Fragen – und die Antworten sind meist simpel:
1. Kohle nicht durchgeglüht
Die häufigste Ursache. Weihrauch auf noch zu heißer oder ungleichmäßig glühender Kohle verbrennt sofort und entwickelt kaum Duft. Die Kohle muss komplett grau-weiß durchgeglüht sein bevor das erste Harz aufgelegt wird.
2. Zu viel Harz auf einmal
Weniger ist mehr. Eine kleine Menge Harz (2–3 Körner) reicht für einen Raum. Zu viel Harz auf einmal kühlt die Kohle ab und erzeugt eher Rauch als Duft.
3. Stövchen zu heiß oder zu kalt
Beim Stövchen entscheidet der Abstand zwischen Teelicht und Sieb. Zu wenig Abstand → Harz verbrennt. Zu viel Abstand → kein Duft. Optimal sind 8–10 cm zwischen Teelichtboden und Sieb. Ein höhenverstellbares Stövchen ist daher empfehlenswert.
4. Weihrauch zu alt oder falsch gelagert
Weihrauch der zu warm, feucht oder im Licht gelagert wurde verliert seine flüchtigen Bestandteile. Frischer Weihrauch riecht schon zwischen den Fingern gerieben aromatisch – das ist ein guter Qualitätstest.
5. Mindere Qualität
Weihrauch der mit anderen Harzen gestreckt oder synthetisch parfümiert wurde riecht beim Räuchern oft flach oder chemisch. Naturreiner Weihrauch guter Qualität duftet von allein – ohne Überraschungen.
Was sollte ich beim Kauf beachten?
Teuer gleich gut? – Jein.
Der Preis ist ein Anhaltspunkt, aber keine Garantie. Was wirklich zählt:
Herkunft kennen
Weihrauch wird weltweit unterschiedlich geerntet, verarbeitet und gehandelt. Wer weiß woher sein Weihrauch stammt – welche Boswellia-Art, welche Region, welche Qualitätsstufe – kauft bewusst und bekommt was er erwartet.
Vertrauenswürdige Quelle
Auf dem Weltmarkt wird weit mehr "omanischer Weihrauch" verkauft als der Oman überhaupt produziert. Fake-Qualitäten mit gefärbten oder gestreckten Harzen sind keine Seltenheit. Kaufe bei Händlern, die Transparenz zeigen: Botanischer Name, Herkunftsland, Erntejahr – das sind Zeichen für seriösen Handel.
Naturbelassen statt parfümiert
Viele günstige Weihrauchsorten sind mit synthetischen Duftstoffen nachbehandelt. Echter Weihrauch braucht das nicht – sein Duft ist von Natur aus komplex und vielschichtig.
Die Nase entscheidet
Reibe ein Korn zwischen den Fingern. Echter, hochwertiger Weihrauch duftet sofort – frisch, balsamisch, lebendig. Riecht er nach nichts oder nach Chemie, sagt das alles.
Für Einsteiger: Ein Mix aus Grad 1–3 einer guten Herkunft (z.B. Oman oder Äthiopien) ist ein idealer Einstieg – günstiger als Spitzenqualität, aber mit echtem Charakter. MAFUMO Shop
Weihrauch richtig lagern
Weihrauch enthält flüchtige Bestandteile, die sich durch Licht- und Wärmeeinwirkung, aber auch bei längerer Lagerung bei Raumtemperatur, nach und nach verflüchtigen. Je wärmer, desto schneller. Daher ist es ratsam, beim Kauf auf eine geeignete und nachhaltige Verpackung zu achten. Ungeeignet sind Papphülsen (nicht geruchsneutral) oder reine Papierverpackungen für die längere Lagerung, ebenso jegliche Plastikverpackung. Eine Verpackung aus Papier oder im Papierbeutel eignet sich allenfalls als Nachfüllpackung – für die dauerhafte Aufbewahrung jedoch nicht.
Auch direktes Sonnenlicht und UV-Licht sollten vermieden werden – eine dunkle, kühle Lagerung ist daher zu empfehlen. Ebenso wichtig: Weihrauch sollte trocken gelagert werden, da zu viel Feuchtigkeit Schimmelbildung begünstigen kann. Die Haltbarkeit hängt dabei stark von der Verpackung ab. Richtig verpackt behält Weihrauch über Jahre seinen Duft, der sich nur langsam durch natürliche Alterung abbaut. Frisch gekauft hilft immer der Nasentest, um die Qualität einzuschätzen.
MAFUMO hat sich sehr lange mit dem Thema Verpackung Verpackungskonzept MAFUMO beschäftigt. Für uns ist die einzige wirklich sinnvolle Verpackungsart ein Glastiegel – dieser ist inert und somit geruchsneutral.
Kirchenweihrauch - was ist das?
Viele von uns erinnern sich an den Weihrauch in der Kirche – diesen schweren, einhüllenden Duft, der während der Heiligen Messe in der katholischen Kirche verräuchert wird. Er hatte und hat eine ganz eigene, fast magische Wirkung. Ob als Messdiener mit dem Rauchfass in der Hand oder als Kirchenbesucher in der Bank – an diesem Duft kam kaum jemand vorbei.
Besonders eindrucksvoll erlebt man diese Tradition im Herzen der katholischen Kirche – im Vatikan. Bei feierlichen Papstmessen, ob im Petersdom oder bei großen Zeremonien unter freiem Himmel, gehört das Auflegen von Weihrauch zu den festen liturgischen Momenten: Der Papst selbst legt Weihrauch auf die glühende Kohle, bevor Altar, Evangeliar und Gemeinde inzensiert werden. Die Weihrauchmischungen, wie sie im Vatikan und in römisch-katholischen Kirchen verwendet werden, vereinen oft Styrax Benzoin, Boswellia papyrifera und Myrrhe – eine Komposition mit warmem, erdigem und leicht würzigem Charakter. Unser Weihrauch Vatikan ist genau dieser Tradition gewidmet: eine Mischung, die diesen würdevollen, feierlichen Duft der römischen Liturgie einfängt
Kirchenweihrauch ist dabei, anders als der Name vermuten lässt, selten reiner Weihrauch. Tatsächlich handelt es sich fast immer um eine sorgfältig komponierte Mischung: echtem Weihrauchharz – meist von Boswellia sacra oder Boswellia carterii – kombiniert mit ätherischen Ölen, Kräuterauszügen und teils weiteren Räucherharzen. Viele Kirchen und Klöster halten ihre genauen Rezepturen bis heute geheim, manche legen den reinen Weihrauch sogar in spezielle Kräutertinkturen ein, um ganz eigene Duftnoten zu erzielen – Traditionen, die teils Jahrhunderte zurückreichen. Eine einheitliche, genormte Rezeptur für "den" Kirchenweihrauch gibt es daher nicht; das Wort beschreibt vielmehr eine ganze Kategorie unterschiedlicher Mischungen. Im Gottesdienst wird der Weihrauch in das Rauchfass gefüllt, auf glühender Kohle entzündet und vom Messdiener während der Prozession oder zu bestimmten liturgischen Momenten geschwenkt – der aufsteigende Rauch trägt symbolisch die Gebete der Gemeinde nach oben.
Warum aber gerade Weihrauch? Schon die Heiligen Drei Könige brachten dem Jesuskind Weihrauch als eines ihrer kostbaren Gaben mit – neben Gold und Myrrhe. Das war kein Zufall: Vor über 2.500 Jahren zählte Weihrauch zu den wertvollsten Gütern überhaupt, selten, kostbar und auf langen Handelswegen aus Arabien und Ostafrika herbeigeschafft. Bis heute gilt er der Kirche als heiliges Gut – ein Zeichen von Wertschätzung, Reinheit und Verbindung zum Göttlichen.
Verantwortlich für seinen unverwechselbaren Duft sind die ätherischen Öle – allen voran Incensol und α-Pinen – die beim Verbrennen freigesetzt werden. Sie verströmen jenen warmen, balsamischen – je nach Sorte auch leicht zitrusartigen – Duft, der unsere Sinne auf besondere Weise anspricht. Vielleicht ist es genau das, was den Moment in der Kirche so besonders macht: ein Duft, der uns für einen Augenblick näher an etwas Größeres heranführt.
Weihrauch in Räuchermischungen
Auch MAFUMO verwendet in seinen Räuchermischungen Weihrauch – aber nicht nach Schema F. Je nachdem welches Thema entstehen soll, welche feinstoffliche Wirkung eine Mischung entfalten soll, wählen wir die Sorte bewusst aus. Weihrauch öffnet unsere Sinne, hebt die Schwingung eines Raumes und schlägt – neben seinem balsamisch-zitronigen Duft – in uns jenen inneren Hebel um, der uns für das Übersinnliche empfänglich macht.
Wir haben rund 30 verschiedene Weihrauchsorten auf Lager – manche davon auch im freien Verkauf erhältlich. Ein großer Teil davon wandert in unsere Räuchermischungen. Für die Räuchermischung Waldspaziergang beispielsweise verwenden wir Fichten- und Föhrenharz – also sogenannten Waldweihrauch, das Harz unserer heimischen Nadelbäume. Ein klassischer arabischer Weihrauch hätte hier nichts verloren – er würde das Thema verfehlen. Komplexere Mischungen enthalten mitunter auch zwei oder drei verschiedene Weihrauchsorten – immer abgestimmt auf die Intention, die hinter der Mischung steht.
Wer noch unsicher ist welche Sorte zu ihm passt – oder einfach neugierig auf die Vielfalt des Weihrauchs aus verschiedenen Regionen der Welt ist – dem empfehlen wir unsere Premium-Weihrauchbox. Neun sorgfältig ausgewählte Sorten, eine Box – der perfekte Einstieg in die Welt des Weihrauchs.

Andreas Mittmann Kräuterpädagoge · Räucherexperte · Gründer MAFUMO Räuchermanufaktur
"Räuchern begleitet mich seit vielen Jahren – als Ritual, als Wissen, als Leidenschaft. Mit MAFUMO möchte ich altes Kräuterwissen lebendig halten und zugänglich machen."

